AKTUELLES

Dietrich Simon gestorben

Am 17. Dezember 2014 ist Dietrich Simon, Verleger, Mitbegründer der S. Fischer Stiftung und ihr erster Geschäftsführer, seit dem Dezember 2011 Mitherausgeber der Reihe SCHRITTE/KROKI, nach langer Krankheit in Berlin gestorben.

Dietrich Simon, der am 12. März 1939 geboren wurde, war nach seinem Germanistik-Studium an der Universität Jena in den Jahren 1963-1965 am Ostberliner Aufbau Verlag als Lektor tätig. Er wechselte danach zu Volk & Welt, dem ostdeutschen Verlag, der sich auf Übersetzungen von Werken der Weltliteratur, aber auch auf deutschsprachige Literatur des Westens spezialisierte. Es war sein und seiner Mitarbeiter großes Verdienst, den Lesern in der ehemaligen DDR die Werke solcher von den ostdeutschen Ideologen ungeliebten Autoren zugänglich gemacht zu haben wie Karl Kraus, Elias Canetti, Robert Musil, Hermann Broch, Max Frisch, Friedrich Dürrenmatt, Rolf Hochhuth oder Sigmund Freud und, kurz vor dem Ende der DDR, im Jahre 1987, auch den Roman Die Blechtrommel von Günter Grass. Nach der deutschen Wiedervereinigung wurde er Geschäftsführer von Volk & Welt und bis 2001 kämpfte er unermüdlich, am Ende jedoch erfolglos um das Weiterbestehen des Verlages. Nach dessen Schließung beteiligte er sich an der Gründung der S. Fischer Stiftung, die er dann in den Jahren 2003-2008 auch leitete.

Unter der Leitung von Dietrich Simon hat die S. Fischer Stiftung eine breite Tätigkeit im Bereich der Popularisierung und Förderung der deutschsprachigen Literatur entfaltet, zunächst in Russland, dann (ab 2005 und bis heute) in Polen, der Türkei und schließlich in den Ländern Südosteuropas, hauptsächlich also in diesem Teil des Kontinents, wo die Zugänglichkeit von Literatur bis 1989 den ihm sehr wohl bekannten Einschränkungen unterlag. Dank dieser von ihm geprägten Tätigkeit der Stiftung sind im Rahmen des Projekts SCHRITTE/KROKI fast 50 Bücher wichtiger, aber bis dahin in Polen meistens unbekannter Autoren aus Deutschland, Österreich und der Schweiz in polnischer Übersetzung erschienen.

Dietrich Simon hatte die große Fähigkeit, Menschen um sich zu vereinen und für sich zu gewinnen, in denen er Verbündete vermutete, und die Gabe, sie zu Aktivitäten zu ermuntern, die er gemeinsam mit ihnen für sinnvoll erachtete. Obwohl lange Zeit an den Rollstuhl gefesselt, sprühte er vor Energie, Optimismus und Humor, die ansteckend wirkten. Er war dabei ein rundum belesener und mit einem untrüglichen Gespür ausgestatteter Kenner von Literatur, ein idealer Gesprächspartner für Lektoren und Übersetzer, deren Arbeit er ausgezeichnet verstand und schätzte. Kein Wunder, dass er sich großer Wertschätzung und Anerkennung sowie der aufrichtigen Sympathie aller erfreute, die die Ehre und das Vergnügen hatten, mit ihm zusammenzuarbeiten.


Foto: Andreas Wolfensberger

Jürg Schubiger gestorben

Am 15. September 2014 ist der bekannte Schweizer Autor, Jürg Schubiger, nach langer Krankheit und doch unerwartet gestorben. In der Reihe SCHRITTE ist 2007 im Verlag Oficyna Wydawnicza Atut in Breslau sein Jugendbuch Als die Welt noch jung war (in der polnischen Übersetzung von Emilia Bielicka) erschienen.

Jürg Schubiger wurde am 14. Oktober 1936 in Zürich geboren. Er arbeitete zunächst als Gärtner und Holzarbeiter und bereitete sich selbständig auf die Matura vor. Er studierte Germanistik, Psychologie und Philosophie. Das Studium schloss er mit einer Dissertation über Franz Kafkas Verwandlung ab. Er wählte dieses Thema, weil er sich - bevor er über das Thema der Dissertation entschied - die Frage stellte: "Von welchem Autor interessiert mich jeder Satz?" So kam er auf Kafka. Und deshalb wurde er auch gelegentlich der "Kafka der Kinderliteratur" genannt. Nach dem Studium arbeitete Schubiger zunächst im pädagogischen Verlag seines Vaters. Er bildete sich im Bereich der Einzel- und Gruppentherapie weiter und lebt heute als Schriftsteller und Psychotherapeut in Zürich und im Tessin.

Jürg Schubiger ist vor allem als Kinder- und Jugendbuchautor bekannt geworden. Neben Als die Welt noch jung war, einem Buch, das in Polen sehr viele Leser hatte, sind vor allem die Bücher Wo ist das Meer? (2000) und die zurückhaltend ironische Geschichte von Wilhelm Tell (2003) ein dauerhafter Erfolg des Verfassers. 2010 hat er in dem Band Der Wind hat Geburtstag seine Kindergedichte versammelt. Schubiger wurde vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Schweizerischen Hörspielpreis (1996), dem Schweizer Jugendbuchpreis (1996), dem Deutschen Jugendliteraturpreis (1996) und dem holländischen Silbernen Griffel Boekenwelp (1997). 2008 erhielt er den wichtigen Hans-Christian-Andersen-Preis, den sog. kleinen Nobelpreis, für sein Gesamtwerk.

Aus Anlass der Erscheinens der polnischen Übersetzung seines Buches hat Jürg Schubiger zweimal Polen besucht: er war 2007 Gast der 52. Internationalen Buchmesse in Warschau und im selben Jah
r der 16. Promotion Guter Bücher in Breslau.




Buchinstitut in Warschau. Jürg Schubiger und seine polnische Übersetzerin Emilia Bielicka.


Jürg Schubiger mit seiner Frau, Renate Bänninger Schubiger, ebenfalls Autorin, vor dem Palast in Lazienki-Park in Warschau, Mai 2007.

Dr. Albrecht Lempp gestorben

Am 19. November 2012 verstarb Dr. Albrecht Lempp (geb. 1953), einer der bekanntesten Förderer der polnischen Literatur in Deutschland, wichtiger Teilnehmer des deutsch-polnischen Dialogs der letzten Jahrzehnte. Dank ihm konnten deutsche Leser Ende der neunziger Jahre eine neue Generation von polnischen Schriftstellern wie Andrzej Stasiuk und Olga Tokarczuk kennenlernen. Er war ein weltoffener und aufgeschlossener Mensch, ein Freund polnischer Schriftsteller, der viele Menschen für seine Ideen zu gewinnen und diese erfolgreich zu verwirklichen wusste. Er war Gründer der Arbeitsgruppe Literatur "Polska 2000", Ideengeber für das Polnische Buchinstitut und Direktor der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit.

Albrecht Lempp war auch als Übersetzer tätig, er übersetzte Bücher von Jerzy Pilch, Stanis³aw Lem, Janusz G³owacki, Maria Nurowska und Anna Bolecka ins Deutsche. Für die Förderung polnischer Literatur im Ausland wurde er mit dem renommierten "Transatlantyk"-Preis des Polnischen Buchinstituts ausgezeichnet.

Von Haus aus Sprachwissenschaftler arbeitete er seit 1987 am Deutschen Polen-Institut in Darmstadt, das von Karl Dedecius gegründet wurde. 1994 übernahm Albrecht Lempp die Leitung des Exekutivsekretariats für den Wiederaufbau der Villa Decius in Krakau, die durch ihn zu ihrem alten Glanz zurückfand.

Seit 1998 war er verantwortlich für die Präsentation Polens auf der weltweit größten Buchmesse in Frankfurt am Main. Damals schrieb die deutsche Presse: "Noch nie gab es einen gelungeneren Auftritt eines Gastlandes" (FAZ). Zahlreiche Programme, die Albrecht Lempp damals initiierte, werden bis heute durchgeführt.

2001 bis 2003 war er stellvertretender Direktor des Adam-Mickiewicz-Instituts und seit 2003 geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit. 2006 begleitete er die Stiftung in ihr neues Warschauer Gebäude in der ul. Zielna 27; drei Jahre später konnte durch sein Engagement das Berliner Büro eröffnet werden.

Er unterstrich immer die positiven Momente der deutsch-polnischen Beziehungen, so in dem Film "Tschüss DDR!", als 1989 DDR-Bürger über die Warschauer Deutsche Botschaft den Weg in die Freiheit fanden. Er schätzte die Rolle der Journalisten als Botschafter des Dialogs. So initiierte er die Deutsch-Polnischen Medientage und zahlreiche Stipendienprogramme.

Die Zukunft der deutsch-polnischen Beziehungen verstand er in ihrem europäischen und internationalen Kontext: zum deutsch-polnischen Austausch lud er Koreaner und Japaner, deutsche und polnische Journalisten zur gemeinsamen Reflexion über Russland.

Unter anderem verdanken wir auch Albrecht Lempp die Gründung des interdisziplinären Zentrums für Polenstudien, welches 2013 an den Universitäten Halle und Jena entstehen wird - ein außergewöhnliches und zukunftsträchtiges Vorhaben für die kommenden Jahrzehnte.

Ganz im Sinne seines interkulturellen Selbstverständnisses hat Dr. Albrecht Lempp seit 2008 die von der S. Fischer Stiftung und dem Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien sowie der Pro Helvetia 2005 ins Leben gerufene Übersetzungsreihe SCHRITTE/KROKI entscheidend unterstützt. Nicht zuletzt auch durch das finanzielle Mitwirken der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit, seinen persönlichen Einsatz und seine kenntnisreichen Ratschläge konnte das Übersetzungsprojekt SCHRITTE/KROKI über den ursprünglich geplanten Zeitraum der Deutsch-Polnischen Kulturjahre 2005/2006 hinaus fortgesetzt werden.

Die Zusammenarbeit mit Albrecht Lempp war für alle Beteiligten in der S. Fischer Stiftung von großer Effektivität und zudem von gegenseitigem Vertrauen getragen. Wir sind trotzdem überzeugt, dass der tiefe Einschnitt, den der Tod von Albrecht Lempp verursacht, die Fortsetzung der Zusammenarbeit zwischen der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit und der S. Fischer Stiftung in keiner Weise belasten wird.

Übersetzerpreis zum Preis "Europäischer Dichter des Friedens"
für Andrzej Kopacki

Andrzej Kopacki erhielt den Übersetzerpreis zum Preis "Europäischer Dichter des Friedens" für seine Übersetzung des Gedichtbandes Der Misanthrop auf Capri des bekannten deutschen Lyrikers, u.a. Georg-Büchner-Preisträgers von 1995, Durs Grünbein (geb. 1962 in Dresden), der den Hauptpreis erhielt. Der Preis "Europäischer Dichter des Friedens" wurde 2008 in Danzig begründet und wurde in diesem Jahr zum zweiten Mal zuerkannt. Der Preis wird alle zwei Jahre einem Lyriker verliehen, der in seinem Werk das Thema der Freiheit im breiten Sinne des Wortes behandelt. Der Preis für den Übersetzer des ausgezeichneten Buches wurde heuer zum ersten Mal verliehen. Der Misanthrop auf Capri (2005) ist der erste Gedichtband Durs Grünbeins, der im vollen Umfang ins Polnische übersetzt wurde.

Im Rahmen der Reihe SCHRITTE/KROKI hat Andrzej Kopacki das Werk Golo Manns Deutsche Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts (Stowarzyszenie Wspólnota Kulturowa "Borussia", Olsztyn 2007) sowie mehrere Gedichte von Gottfried Benn aus dem Band Einsamer nie und andere Gedichte (1912-1955), der 2011 im Verlag Biuro Literackie in Breslau erschienen ist, übersetzt.

Übersetzerpreis der Kunststiftung NRW 2012 für S³awa Lisiecka

S³awa Lisiecka erhielt den mit 25.000 Euro dotierten Übersetzerpreis der Kunststiftung NRW 2012 für ihre herausragenden Übersetzungen deutschsprachiger Literatur ins Polnische.

Die Jury (Justyna Czechowska, Esther Kinsky und Grzegorz Zygad³o) begründete ihre Entscheidung damit, "dass sämtliche Übersetzungen Lisieckas sich durch ein untrügliches Gespür für sprachliche Nuancen und stilistische Ausdrucksmittel auszeichnen. Darüber hinaus werden insbesondere ihre Übersetzungen der Werke Thomas Bernhards gewürdigt".

Der Übersetzerpreis der Kunststiftung NRW gehört zu den höchstdotierten Literaturpreisen im deutschsprachigen Raum und wird in Kooperation mit dem Europäischen Übersetzer-Kollegium im niederrheinischen Straelen vergeben, wo der Preis am 5. Mai auch übergeben wird.

Im Rahmen der Reihe SCHRITTE/KROKI übersetzte S³awa Lisiecka die Erzählung Das Muschelessen von Birgit Vanderbeke (Sic! 2006), den Roman Die Absonderung von Georges-Arthur Goldschmidt (s³owo/obraz terytoria 2006) und den Roman Mutmaßungen über Jakob von Uwe Johnson (Czytelnik 2008). Sie hat auch einen Teil der Gedichte aus dem Band Einsamer nie und andere Gedichte (1912-1955) von Gottfried Benn (Biuro Literackie 2011) übersetzt.

In memoriam Carl Holenstein

Wir trauern um Carl Holenstein, Vorstandsmitglied der S. Fischer Stiftung seit Gründung im März 2003, der am 25. November 2011 unerwartet verstorben ist.

Carl Holenstein hat die Entwicklung und das Profil der Stiftung wesentlich mitgestaltet. Durch seine Klarheit und Sorgfalt und besonders durch seine aufrechte, entschiedene Haltung hat er bei unseren Partnern im In- und Ausland zum Ansehen der S. Fischer Stiftung beigetragen. Sein humanistisches Credo hat er als Jurist, Literaturwissenschaftler und Publizist mit Leidenschaft in seinem Wirken für die Stiftung umgesetzt.

Dank seiner umfassenden Kenntnisse auf den Gebieten der Literatur, Philosophie, Geschichte und Rechtsgeschichte war Carl Holenstein entscheidend als Berater und Herausgeber an den Übersetzungsprogrammen der S. Fischer Stiftung beteiligt: Zunächst mit SCHAGI/Schritte 2003 in Russland gemeinsam mit Marina Koreneva und Heinrich Detering; ab 2005 von KROKI/Schritte in enger Zusammenarbeit mit Jacek St. Buras in Polen, gefolgt ab 2006 von ADIMLAR/Schritte mit Sezer Duru in der Türkei. Das sich seit 2007 ständig erweiternde Projekt TRADUKI für die Länder Südosteuropas begleitete er intensiv in der Zusammenarbeit mit Alida Bremer.

Für die Arbeit der S. Fischer Stiftung war sein Rat kostbar. Mit seiner ebenso zurückhaltenden wie unabhängigen starken Persönlichkeit hat er sich ganz in den Dienst unserer gemeinsamen Ziele gestellt.

Der Abschied von Carl Holenstein bedeutet für den Vorstand, das Kuratorium und die Geschäftsführung der S. Fischer Stiftung den Verlust eines Menschen, der ein Freund war. Nicht nur die Mitglieder der S. Fischer Stiftung, sondern viele Menschen haben ihm viel zu danken.

Monika Schoeller
Vorsitzende des Vorstandes
S. Fischer Stiftung

Antje Contius
Geschäftsführerin
S. Fischer Stiftung

Karl-Dedecius-Preis 20011 für Ryszard Turczyn

Ryszard Turczyn erhielt den angesehenen Karl-Dedecius-Preis 2011 für herausragende Übersetzungen deutschsprachiger Literatur ins Polnische sowie für seine Vermittlungsarbeit zwischen Polen und Deutschland. Es ist dies wohl die wichtigste Auszeichnung, die einem Übersetzer aus dem Deutschen ins Polnische zuteilwerden kann. In diesem Jahr wurde der Preis, der von der Robert Bosch Stiftung gestiftet wird, zum fünften Mal vergeben. Die Preisverleihung findet in Darmstadt am 20. Mai 2011, dem 90. Geburtstag von Karl Dedecius, statt.

Ryszard Turczyn, geb. 1953, studierte Germanistik in Warschau und übersetzt, während er heute auch als Literaturagent tätig ist, seit mehr als 30 Jahren aus dem Deutschen und dem Niederländischen ins Polnische. Die Jury würdigte ihn für sein ausgeprägtes Sprachgefühl, seine beachtenswerte Sorgfalt im Umgang mit Texten, die Vielfalt der übersetzten Texte und seinen Beitrag zu den deutsch-polnischen Kulturbeziehungen.

Ryszard Turczyn übersetzte unter anderem Die Klavierspielerin als erstes Prosawerk von Elfriede Jelinek in Polen. Im Rahmen der Reihe SCHRITTE/KROKI hat er das berühmte Buch von Jean Améry Jenseits von Schuld und Sühne (Wydawnictwo Homini, Kraków 2007) sowie Romane von Christoph Simon Franz oder Warum Antilopen nebeneinander laufen (Jacek Santorski & Co. Agencja Wydawnicza, Warszawa 2005), Markus Werner Am Hang (Polski Instytut Wydawniczy, Warszawa 2005) und Tim Staffel Terrordrom (Wydawnictwo Bellona, Warszawa 2006) übersetzt. Zu den von ihm übersetzten Werken gehören über 30 belletristische Titel, darunter einige Kinderbücher, populäre Sachbücher, etwa historische Werke von Guido Knopp, Reportagen von Günter Wallraff und Erich von Däniken sowie Prosa von Wladimir Kaminer. Hinzu kommen zahlreiche philosophische Texte in Anthologien sowie Theaterstücke und Hörspiele, u.a. von Ulrich Plenzdorf und Pavel Kohout.

(unter Verwendung der Pressemitteilung des Deutschen Polen-Instituts in Darmstadt)


Foto:
Peter-Andreas Hassiepen

Georg-Büchner-Preis 2010 für Reinhard Jirgl

Reinhard Jirgl, Autor u. a. des in der Reihe SCHRITTE/KROKI in polnischer Sprache erschienenen Romans Die Unvollendeten (übersetzt von Ryszard Wojnakowski, Borussia, Olsztyn 2009), ist von der Darmstädter Akademie für Sprache und Dichtung zum Georg-Büchner-Preisträger 2010 gewählt worden. Der Preis wird dem Schriftsteller auf der Herbsttagung der Akademie am 23. Oktober in Darmstadt überreicht.

Reinhard Jirgl ist der siebente Büchner-Preisträger unter den Autoren der Reihe SCHRITTE/KROKI. In den vergangengen Jahren wurden mit diesem höchsten deutschen Literaturpreis Golo Mann (1968), Uwe Johnson (1970), Arnold Stadler (1999), Wolfgang Hilbig (2002), Wilhelm Genazino (2004) und Martin Mosebach (2007) ausgezeichnet.

5 Jahre SCHRITTE/KROKI

Seit der Inauguration der Reihe zeitgenössischer deutschsprachiger Literatur SCHRITTE/KROKI auf der 50. Internationalen Buchmesse in Warschau im Mai 2005 sind inzwischen 5 Jahre vergangen, in denen in 18 polnischen Verlagen in der Übersetzung von 19 ÜbersetzerInnen 39 Bücher herausragender, dem polnischen Leser bis dahin meistens unbekannter Autoren aus Deutschland, der Schweiz und Österreich erschienen sind. Zur Zeit ist es wohl die einzige Initiative diesen Ranges, die in Polen zugunsten der Literatur eines bestimmten Sprachraumes realisiert wird. Dank diesen Büchern können Leser in Polen ein umfassenderes Bild von dem haben, was die wichtigsten Schriftsteller deutscher Sprache bewegt und von der Leserschaft in den genannten Ländern rezipiert wird. Die Bücher, die in der Reihe erscheinen, dienen prinzipiell nicht ausschließlich der Befriedigung des Unterhaltungsbedarfs potentieller Leser, sondern sind an ein Lesepublikum adressiert, das von der Literatur überzeugende, originelle Darstellungen der heutigen wie gewesenen Wirklichkeit, Antworten auf wichtige Fragen unserer Zeit, Problemstellungen, über die man nachdenken sollte, unkonventionelle Erzählformen erwartet. Die Initiatoren der Reihe und ihre Partner sind der Ansicht, dass der Kreis der Freunde einer solchen Literatur in Polen nach wie vor beträchtlich, das aktuelle Angebot des Buchmarktes hingegen inzwischen zu bescheiden ist, um den Bedarf dieser Lesergruppe zu befriedigen, in diesem Fall im Bereich ambitionierter deutschsprachiger Literatur. Das ist auch der Grund, weshalb die Reihe fortgesetzt wird.




Karl-Dedecius-Preis 2009 für Ryszard Wojnakowski

Ryszard Wojnakowski erhielt den angesehenen Karl-Dedecius-Preis 2009 für herausragende Übersetzungen deutschsprachiger Literatur ins Polnische sowie für seine Vermittlungsarbeit zwischen Polen und Deutschland. Es ist dies wohl die wichtigste Auszeichnung, die einem Übersetzer aus dem Deutschen zuteil werden kann. In diesem Jahr wurde der Preis, der von der Robert Bosch Stiftung gestiftet wird, zum vierten Mal vergeben. Die Preisverleihung findet am 22. Mai 2009 in Krakau statt.

Ryszard Wojnakowski studierte Germanistik an der Jagiellonen-Universität in Krakau. 1983-1993 war er Lektor im Krakauer Verlag Wydawnictwo Literackie, seit 1993 arbeitet er freiberuflich als Übersetzer und Herausgeber. Als Übersetzer debütierte er Ende der 70., Anfang der 80. Jahre. Er übersetzte u. a. Prosa von H. Böll, E.M. Remarque, K. Mann, K. L. Immermann, M. Ende, S. Heym, B. Schlink, Gedichte u.a. von F. Mayröcker, I. Aichinger i R. Ausländer, Theaterstücke u. a. von G. Hauptmann und E. Canetti sowie Essays u. a. von M. Buber, G. Scholem, M. Lurker, F. Dornseiff. Im Rahmen der Reihe SCHRITTE/KROKI hat er den Roman von Edgar Hilsenrath Das Märchen vom letzten Gedanken (Ksi±¿nica, 2006), die Romane von Wolfgang Hilbig "Ich" (Atut, 2006) und Das Provisorium (Atut, 2008) sowie den Roman von Walter Moers 13 1/2 Leben des Käpt`n Blaubär (s³owo/obraz terytoria, 2007) übersetzt. Er erhielt den Förderpreis der Robert Bosch Stiftung (1994), den Preis des Polnischen Übersetzerverbandes (1996) und den Preis der Monatsschrift Literatura na ¦wiecie (2007). Er ist Initiator und Herausgeber einer Reihe zeitgenössischer österreichischer Lyrik, die seit dem Jahre 2000 im Verlag Oficyna Literacka, ab 2002 im Verlag Antykwa und ab 2007 im Verlag Atut erscheint.


Foto: Rowohlt Verlag

Deutscher Buchpreis 2008 für Uwe Tellkamp

Uwe Tellkamp, Autor des im Rahmen der Reihe SCHRITTE/KROKI erschienenen Romans Der Eisvogel (poln. von Bogdan Baran, Wydawnictwo Bellona, Warszawa 2006) erhielt den Deutschen Buchpreis 2008 für seinen Roman Der Turm (Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2008). Der Deutsche Buchpreis wurde 2005 vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels gestiftet und wird dem Verfasser / der Verfasserin des besten deutschsprachigen Romans der letzten 12 Monate verliehen. In der Begründung schrieb die Jury: "Uwe Tellkamps großer Vorwenderoman "Der Turm" entwirft in einer Fülle von Szenen, Bildern und Sprachformen das Panorama einer Gesellschaft, die ihrem Ende entgegentaumelt. Am Beispiel einer bürgerlichen Dresdner Familie erzählt er von Anpassung und Widerstand in einem ausgelaugten System. Der Roman spielt in den verschiedensten Milieus, unter Schülern, Ärzten, Literaten und Politkadern. Uwe Tellkamp schickt seinen rebellischen Helden Christian Hoffmann auf eine Höllenfahrt, aus seiner Enklave in den Militärdienst bis zum Strafvollzug der NVA. Den Lesern erschließen sich wie nie zuvor Aromen, Redeweisen und Mentalitäten der späten DDR. Unaufhaltsam treibt das Geschehen auf den 9. November zu".

Der Schweizer Autor Jürg Schubiger, dessen Erzählsammlung Als die Welt noch jung war in der Reihe SCHRITTE/KROKI in der polnischen Übersetzung von Emilia Bielicka bei Oficyna Wydawnicza ATUT, Breslau 2007, erschienen ist, erhielt den Hans Christian Andersen-Preis 2008. Dieser sog. kleiner Nobelpreis wird alle zwei Jahre vom Internationalen Kuratorium für das Jugendbuch (IBBY) verliehen und ist die höchste Auszeichnung, die ein Kinder- und Jugendbuchautor bekommen kann. Jürg Schubiger ist der erste Schweizer Autor, der sie nun erhält. Der Preis wird dem Schriftsteller am 7. September 2008 bei der Eröffnung des IBBY-Kongresses in Kopenhagen überreicht.

Calwer Hermann-Hesse-Übersetzerpreis
für Ma³gorzata £ukasiewicz

Ma³gorzata £ukasiewicz erhielt den Calwer Hermann-Hesse-Übersetzerpreis für ihre Übersetzung des Briefwechsels zwischen Hermann Hesse und Thomas Mann (Hermann Hesse - Tomasz Mann: Korespondencja, PIW, Warszawa 2006). Es ist eine der renommiertesten deutschen Auszeichnungen für Übersetzer aus dem Deutschen, die von der Stiftung Calwer Hermann-Hesse-Preis verliehen wird. Der Preis wird am 2. Juli 2008, dem Geburtstag des Schriftstellers, überreicht.

Ma³gorzata £ukasiewicz, Übersetzerin deutschsprachiger Literatur und Essayistin, studierte Fremdsprachen und Philosophie an der Universität Warschau. Sie kooperiert mit vielen Verlagen, Medienanstalten, Kulturinstitutionen und wissenschaftlichen Forschungsinstituten in Polen und im Ausland. Sie hat mehr als 60 Bücher übersetzt, darunter von Theodor W. Adorno, Hans-Georg Gadamer, Jürgen Habermas, Hermann Hesse, Hans Robert Jauss, Friedrich Nietzsche, German Ritz, W. G. Sebald, Georg Simmel, Patrick Süskind (u. a. den Roman Das Parfüm), Robert Walser. Im Rahmen der Reihe SCHRITTE/KROKI hat sie das Buch des österreichischen Autors Gerhard Roth Eine Reise in das Innere von Wien (PIW, Warszawa 2006) übersetzt. 2007 erschien eine Sammlung ihrer Literaturskizzen, die sie regelmäßig in der Krakauer Monatsschrift "Znak" publiziert. Sie erhielt in der Vergangenheit u. a. den Preis des Polnischen Übersetzerverbandes, der Robert Bosch-Stiftung, des polnischen PEN-Clubs und der Monatsschrift "Literatura na ¦wiecie".

Preis des Autorenverbandes ZAiKS für Ryszard Turczyn

Ryszard Turczyn erhielt den diesjährigen Preis des Autorenverbandes ZAiKS für seine Übersetzungen aus dem Deutschen.

Ryszard Turczyn frißt seinen Unterhalt - ein seltener Fall bei den Literaturübersetzern in Polen - von Anfang an und ausschließlich von seiner freien Übersetzertätigkeit. Er übersetzt aus dem Deutschen und dem Niederländischen, vor allem Belletristik und geisteswissenschaftliche Literatur aus den Bereichen Philosophie, Psychologie, Soziologie, Literatur- und Kulturwissenschaft etc. Er ist u.a. auch Mitverfasser eines Wörterbuchs sinnverwandter Wörter (zusammen mit Ewa Geller i Andrzej D±brówka). Unter den übersetzten Autoren (er hat mittlerweile mehr als hundert Bücher übersetzt) befinden sich solche Namen wie Hermann Broch, Gottfried Benn, Georgy Lukács, Elfriede Jelinek oder Harry Mulisch, aber auch Christiane F., Erich von Däniken, Herbert Rosendorfer, Ildiko von Kürthy oder Wladimir Kaminer. Im Rahmen der Reihe SCHRITTE/KROKI hat er den Roman Am Hang von Markus Werner (Polski Instytut Wydawniczy 2005), den Roman Franz oder Warum Antilopen nebeneinander laufen von Christoph Simon (Wydawnictwo Jacek Santorski 2005), den Roman Terrordrom von Tim Staffel (Bellona 2006) und den Essayband Jenseits von Schuld und Sühne von Jean Améry (Homini 2007) übersetzt.

Preis des polnischen PEN Clubs für Maria Przyby³owska

Die Übersetzerin Maria Przyby³owska erhielt den Preis des polnischen PEN Clubs für hervorragende Errungenschaften im Bereich der Übersetzung deutschsprachiger Literatur ins Polnische, insbesondere für ihre Übersetzungen der Werke von Elias Canetti.

Maria Przyby³owska arbeitete, nach germanistischen Studien in Warschau und Leipzig, in einer Presseagentur, beim Rundfunk und an einem Forschungsinstitut als Übersetzerin von journalistischen und Fachtexten, sowie - in den Jahren 1987-1996 - als Lektorin im Verlag "Czytelnik". Parallel dazu übersetzte sie deutschsprachige Belletristik ins Polnische. Sie debütierte mit der Übersetzung von Elias Canettis Die gerettete Zunge. Außer mehreren Büchern dieses Autors übersetzte sie u.a. den Roman Heimatmuseum von Siegfried Lenz (zusammen mit Eliza Borg), ferner Bücher von Horst Bienek, Peter Sichrovsky, Robert Menasse, Helga Hirsch u.a., darunter auch Kinderbücher. Im Rahmen der Reihe SCHRITTE/KROKI hat sie den Roman Das Muster von Dieter Forte (zusammen mit Eliza Borg, Ksi±¿nica 2006) und den Roman Die Brücke vom Goldenen Horn von Emine Sevgi Özdamar (Pogranicze 2007) übersetzt. Sie erhielt den Preis der Monatsschrift "Literatura na ¦wiecie" für ihr Gesamtwerk mit besonderer Berücksichtigung der autobiographischen Trilogie von Elias Canetti (1993), den Förderpreis der Robert Bosch Stiftung für die Übersetzung von Masse und Macht von Elias Canetti (1993, zusammen mit Eliza Borg), den Preis des Ministers für Kultur und Sport der Republik Österreich für ihr Gesamtwerk (1993) und den Karl Dedecius-Preis (2005).

Preise der Monatsschrift "Literatura na ¦wiecie"
für SCHRITTE/KROKI-Übersetzer

Die Monatsschrift "Literatura na ¦wiecie" verlieh ihre Preise für die besten Literaturübersetzungen des Jahres 2006 u.a. an zwei Übersetzer der Reihe SCHRITTE/KROKI. Ryszard Wojnakowski erhielt den Preis für seine - im Rahmen der Reihe erschienene - Übersetzung des Romans "Ich" von Wolfgang Hilbig (Oficyna Wydawnicza Atut, Wroclaw), Krzysztof Jachmiczak - für seine Übersetzung des Romans Memoiren eines Antisemiten von Gregor von Rezzori (Pogranicze, Sejny). Darüber hinaus wurde der Mitherausgeber der Reihe SCHRITTE/KROKI, Jacek St. Buras, für seine sachbezogene Tätigkeit im Rahmen der Reihe geehrt. Die Preisverleihung fand am 12. Oktober 2007 im Warschauer Sitz der Zeitschrift statt.

Ryszard Wojnakowski
Krzysztof Jachimczak
Jacek St. Buras

Ryszard Wojnakowski studierte Germanistik an der Jagiellonen-Universität in Krakau. 1983-1993 war er Lektor im Krakauer Verlag Wydawnictwo Literackie, seit 1993 arbeitet er freiberuflich als Übersetzer und Herausgeber. Als Übersetzer debütierte er Ende der 70., Anfang der 80. Jahre. Er übersetzte u.a. Prosa von H. Böll, E.M. Remarque, K. Mann, K.L. Immermann, M. Ende, S. Heym, B. Schlink, Gedichte u.a. von F. Mayröcker und I. Aichinger, Theaterstücke u.a. von G. Hauptmann und E. Canetti sowie Essays u.a. von M. Buber, G. Scholem, M. Lurker, F. Dornseiff. Im Rahmen der Reihe SCHRITTE/KROKI hat er den Roman von Edgar Hilsenrath Das Märchen vom letzten Gedanken (Ksi±¿nica, 2006), den Roman von Wolfgang Hilbig "Ich" (Atut, 2006) und den Roman von Walter Moers 13 1/2 Leben des Käpt`n Blaubär (s³owo/obraz terytoria, 2007) übersetzt. Er erhielt den Förderpreis der Robert Bosch Stiftung (1994) und den Preis des Polnischen Übersetzerverbandes (1996). Er ist Initiator und Herausgeber einer Reihe zeitgenössischer österreichischer Lyrik, die seit dem Jahre 2000 im Verlag Oficyna Literacka und ab 2002 im Verlag Antykwa erscheint.

Krzysztof Jachimczak studierte polnische Sprache und Literatur sowie Germanistik an der Jagiellonen-Universität in Krakau. Er war Mitbegründer und ab 1996 Mitglied des Programmrates der Reihe "Schriftsteller deutscher Sprache", die im Krakauer Verlag Wydawnictwo Literackie unter der Schirmherrschaft von Karl Dedecius erscheint. Er erhielt als erster den Übersetzerpreis im Wanda Kragen-Wettbewerb (1988) und den Karl Dedecius-Übersetzerpreis (2003). Zu den von ihm übersetzten Autoren gehören u.a. Ingeborg Bachmann, Friedrich Dürrenmatt, Joachim Fest, Max Frisch, Josef Haslinger, Stefan Heym, Florian Illies, Ephraim Kishon, Pavel Kohout, Karl May, Leo Perutz, Luise Rinser, Hagen Schulze, Lothar Streblow, Botho Strauß, Rafik Schami, Gregor von Rezzori, Anne Weber. Im Rahmen der Reihe SCHRITTE/KROKI hat er den Roman Lagerfeuer von Julia Franck (Dom pod Krakowem, 2006), den Roman Der Nebelfürst von Martin Mosebach (Twój Styl, 2006) und den Roman Barbar Rosa von Georg Klein (Sic!, 2007) übersetzt.

Jacek St. Buras studierte Germanistik an der Universität Warschau. 1982-1997 war er Redakteur für deutschsprachige Literatur an der Monatsschrift "Literatura na ¶wiecie", 1997-2004 - Direktor des Polnischen Institutes in Wien. Er erhielt u.a. den Preis der Robert Bosch Stiftung (1989), den Preis des Polnischen Übersetzerverbandes (1993), den Preis der Autorenagentur ZAiKS (1998), den Preis der Monatsschrift "Literatura na ¶wiecie" (1999), den Österreichischen Staatspreis (2005). Er übersetzte Lyrik u.a. von P. Celan, H. M. Enzensberger, K. Krolow, B. Brecht, E. Fried, G. Eich, S. George, J. von Eichendorff, G. Trakl, Essays u.a. von R. Musil, P. Handke, F. Dürrenmatt, Prosa u.a. von J. von Eichendorff sowie mehr als 60 Theaterstücke u.a. von G. E. Lessing, J. W. Goethe, F. Schiller, H. von Kleist, B. Brecht, F. Bruckner, Ö. von Horvath, F. Dürrenmatt, G. Tabori, H. Müller, Ch. Hein, T. Dorst, T. Bernhard, W. Schwab, M. Streeruwitz, D. Loher. Im Rahmen der Reihe SCHRITTE/KROKI hat er den Roman Der Blindensturz von Gert Hofmann (PIW, 2005), Erzählungen von Hermann Burger (s³owo/obraz terytoria, 2006), den Roman Gebürtig von Robert Schindel (Austeria, 2006) und den Roman Der fliegende Berg von Christoph Ransmayr (PIW, 2007) übersetzt.

Deutscher Buchpreis 2007 für Julia Franck

Julia Franck, Autorin des im Rahmen der Reihe KROKI/SCHRITTE erschienenen Romans Lagerfeuer (poln. von Krzysztof Jachimczak unter dem Titel Berlin - Marienfelde, Dom pod Krakowem 2006) erhielt den diesjährigen Deutschen Buchpreis für ihren Roman Die Mittagsfrau (S. Fischer Verlag 2007). Der Deutsche Buchpreis (25.000 Euro) wurde vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels 2005 gestiftet und wird dem Verfasser / der Verfasserin des besten deutschsprachigen Romans der letzten 12 Monate verliehen (in diesem Jahr wurden 117 Kandidaturen angemeldet).

Der Roman Die Mittagsfrau umfaßt die Jahre vom ersten bis zum Ende des zweiten Weltkrieges und erzählt von einer Frau, die auf der Suche nach ihrem Platz im Leben aus dem heimatlichen Bautzen nach Berlin der Zwanziger Jahre wandert, sich mit der großstädtischen Realität vertraut macht, Arbeit findet, die ersten Liebesfaszinationen und -enttäuschungen erlebt, Zeugin des aufkommenden Faschismus wird und vom Strom der Kriegsereignisse mitgerissen nach Stettin als Ehefrau eines Naziarchitekten und Mutter eines siebenjährigen Jungen gerät. Auf der Flucht vor der anrückenden Roten Armee faßt sie den ungeheuer dramatischen Entschluß: sie läßt ihren Sohn allein auf einem Bahnhof zurück und verschwindet für immer. Der Roman, dem authentische Ereignisse aus der Familiengeschichte der Verfasserin zugrunde liegen, schildert aus der Perspektive einer einfachen und doch gewiß ungewöhnlichen Frau ein beeindruckendes Panorama der deutschen Schicksale im Verlauf von mehreren Jahrzehnten.


Foto: Jürgen Bauer

Wolfgang Hilbig ist gestorben

Am 2.06. starb in Berlin im Alter von 65 Jahren Wolfgang Hilbig, einer der bedeutendsten deutschen Schriftsteller der letzten zwanzig Jahre, Autor u. a. des im vorigen Jahr in der Reihe SCHRITTE/KROKI publizierten Romans "Ich", seines einzigen Buches, das bis jetzt auf Polnisch (in der Übersetzung von Ryszard Wojnakowski, Oficyna Wydawnicza Atut, Wroc³aw 2006) erschienen ist. In der ehemaligen DDR, wo er geboren wurde und den größten Teil seines Lebens verbracht hatte, galt er als autodidaktischer Schriftsteller für einen unbequemen Sonderling ohne Publikationsmöglichkeiten. Als 1979 in der BRD sein erster Lyrikband unter dem bezeichnenden Titel abwesenheit erschienen war, kam Hilbig in Untersuchungshaft und wurde zu einer Geldstrafe wegen angeblicher Devisenvergehen verurteilt. Erst 1983 erschien in der DDR ein Band seiner Lyrik und Prosa, betitelt Stimme Stimme. Diese Publikation machte es möglich, den Autor auch in Polen vorzustellen (gemäß den damaligen Standards ein in der DDR unerwünschter Autor konnte auch in der "brüderlichen" Volksrepublik Polen nicht publiziert werden). In der Warschauer Monatsschrift "Literatura na ¶wiecie" (4/1985) erschienen daraufhin sieben Gedichte von Wolfgang Hilbig in der Übersetzung von Jacek St. Buras. 1985 reiste Hilbig in die BRD aus, wo er aber ebenfalls nicht heimisch wurde. Seine Erfahrungen aus jener Zeit beschrieb er später in dem Roman Das Provisorium (2000). Sein Werk, dessen zentrale Themen der Konflikt zwischen dem Einzelnen und der Gesellschaft sowie die Suche nach der eigenen Identität sind, balanciert am Schnittpunkt von Wirklichkeit und Fiktion und wird von virtuoser Sprachkunst getragen. Aus Anlaß des Erscheinens in Polen des Romans "Ich", in dem Hilbig auf originelle und zugleich meisterliche Weise die komplizierten Relationen zwischen einem STASI-Beamten und dem von ihm angeworbenen Literaten in den letzten Jahren der DDR schildert, besuchte der Autor im Februar vorigen Jahres Polen und begegnete in Breslau seinen polnischen Lesern (siehe Bericht unter "Veranstaltungen").


Foto: Susanne Schleyer

Georg-Büchner-Preis 2007 für Martin Mosebach

Martin Mosebach, Autor u..a des in der Reihe SCHRITTE/KROKI in polnischer Sprache erschienenen Romans Der Nebelfürst (übersetzt von Krzysztof Jachmiczak, Twój Styl, Warszawa 2006), ist von der Darmstädter Akademie für Sprache und Dichtung zum Georg-Büchner-Preisträger 2007 gewählt worden. Der Preis wird dem Schriftsteller am 27. Oktober überreicht.
Martin Mosebach ist der sechste Büchner-Preisträger unter den Autoren der Reihe SCHRITTE/KROKI. In den vergangengen Jahren wurden mit diesem höchsten deutschen Literaturpreis Golo Mann (1968), Uwe Johnson (1970), Arnold Stadler (1999), Wolfgang Hilbig (2002) und Wilhelm Genazino (2004) ausgezeichnet.

Österreichischer Staatspreis für S³awa Lisiecka

Der österreichische Staatspreis für literarische Übersetzung geht in diesem Jahr an die herausragende Übersetzerin schöngeistiger und philosophischer Literatur S³awa Lisiecka. Der renommierte Preis, den das Bundeskanzleramt seit 1998 alljährlich (in diesem Jahr also zum zehnten Mal) einem Literaturübersetzer aus dem Deutschen zuerkennt, wird der Laureatin im Juni im Robert Musil-Institut in Klagenfurt verliehen.

S³awa Lisiecka debütierte 1975 in der Zeitschrift "Literatura na ¦wiecie". Sie hat nahezu 70 Bücher übersetzt, u.a. Gedichte, Theaterstücke und Romane von Peter Härtling, Stefan Heym, Siegfried Lenz, Günter Grass, George Tabori, Hermann Hesse, Adolf Muschg, Thomas Bernhard, Elfriede Jelinek, Franzobel, Juli Zeh und Christoph Ransmayr sowie Werke von Max Weber, Ludwig Wittgenstein und Martin Heidegger. Zusammen mit ihrem Mann, Zdzis³aw Jasku³a, übersetzte sie Gedichte von Ingeborg Bachmann und Friedrich Nietzsches Also sprach Zarathustra.

Im Rahmen der Serie KROKI/SCHRITTE übersetzte S³awa Lisiecka die Erzählung Das Muschelessen von Birgit Vanderbeke (Sic! 2006) und den Roman Die Absonderung von Georges-Arthur Goldschmidt (s³owo/obraz terytoria 2006). Zurzeit arbeitet sie an der Übersetzung des Romans Mutmaßungen über Jakob von Uwe Johnson, der in der Verlagsgenossenschaft "Czytelnik" erscheinen wird. Es wird die erste polnischsprachige Buchpublikation dieses herausragenden Autors sein, der in der Volksrepublik Polen auf dem Index stand.

Herzlichen Glückwunsch!
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