Jean Améry

Jenseits von Schuld und Sühne.
Bewältigungsversuche eines Überwältigten

Mit einem Nachwort von Piotr Weiser

I
n der Übersetzung von Ryszard Turczyn erschien das Buch
im Verlag Wydawnictwo Homini s.c. im Juli 2007, 244 S.
(Originalausgabe: Klett-Cotta, Stuttgart 1977, 156 S.)


Jean Améry schrieb die Essayreihe Jenseits von Schuld und Sühne zwei Jahrzehnte nach seiner Befreiung aus dem Konzentrationslager Bergen-Belsen. Er vergegenwärtigt den Extremfall, die Existenz des Intellektuellen im Lager und die Tortur. Der geistige Mensch, sagt Améry, sei es gewohnt, die Macht anzuzweifeln, im Lager aber fehlen dazu alle Voraussetzungen:
"Ungeheuerlich und unüberwindlich türmte sich die Machtgestalt des SS-Staates vor dem Häftling auf, eine Wirklichkeit, die nicht umgangen werden konnte und die darum am Ende als vernünftig erschien." Amérys Reflexion, seine Denkbewegungen und seine Dislektik eröffneten für den damaligen "Auschwitz-Diskurs" eine völlig neue Fragestellung. Er diagnostiziert die Ohnmacht des Geistes, der dem Intellektuellen im Lager nicht nur keine Hilfe gewesen sei, "sondern geradewegs in eine tragische Dialektik der Selbstzerstörung" führte. Améry denkt in seinen Essays gegen sich selbst. Er ist von einer radikalen Offenheit und ruft auf herausfordernde Weise zum Selbstmisstrauen auf.


Foto: Lutz Möhring

Jean Améry wurde 1912 als Hans Mayer in Bad Ischl (Österreich) geboren. Der junge Buchhändlergehilfe und Mitarbeiter der Volkshochschule im "roten Wien" steht im Kontakt mit dem "Wiener Kreis". Nach dem Anschluss Österreichs flieht er 1938 mit seiner Frau nach Antwerpen.
Der Widerstandskämpfer wird 1943, nachdem seine Widerstandsgruppe aufgeflogen ist, in der belgischen Festung Breendonck brutal misshandelt. Darauf folgen zwei Jahre in den Konzentrationslagern Auschwitz (wo er Primo Levi kennen lernt), Dora-Mittelbau und Bergen-Belsen. Nach seiner Befreiung kehrt Hans Mayer nach Antwerpen zurück. Mit journalistischen Arbeiten vor allem für Schweizer Zeitungen überlebt er notdürftig. 1955 prägt er das Anagramm Jean Améry.
Mit der Essayreihe Jenseits von Schuld und Sühne wird Améry schlagartig bekannt. 1968 erscheint Über das Altern. Revolte und Resignation, 1976 der Essay Hand an sich legen. Diskurs über den Freitod. Mit seinem literarischen Werk ist Améry nicht erfolgreich, die Roman-Essays Lefeu oder Der Abbruch (1974) und Charles Bovary, Landarzt (1978) werden im Gegensatz zu seinen essayistischen und philosophischen Werken verhalten aufgenommen. Am 17. Oktober 1978 nimmt sich Jean Améry das Leben; er wird in einem Ehrengrab in Wien bestattet.

Rezensionen:

1.

2.
3.
Dariusz Czaja, Laboratorium Auschwitz, Tygodnik Powszechny, Beilage "Ksi±¿ki w Tygodniku", 28.10.07
4.
Tomasz Stawiszyñski, Aus den Tiefen des Ressentiments, Zweiwöchentliche Onlinezeitschrift "artPapier", 15.11.2007
5.
Kinga Piotrowiak, Character indelebilis, FA-art, 1/2008
6.
Anna Ziêbiñska-Witek,An den Grenzen des Geistes, Vierteljahresschrift "Akcent", 1/2008
7.
Lothar Quinkenstein, Das immerwährende erhellende Gespräch mit uns selbst und mit dem anderen, Czas Kultury, 6/2007
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