Walter Benjamin

Ursprung des deutschen Trauerspiels

Das Buch erschien in der Übersetzung von Andrzej Kopacki und mit einem Nachwort von Adam Lipszyc in dem Warschauer Verlag Wydawnictwo Sic! im Dezember 2013. 360 Seiten.

Das Buch Walter Benjamins gehört zu den berühmtesten geisteswissenschaftlichen Werken des 20. Jahrhunderts. Namentlich ist es einem besonderen Phänomen in der Geschichte des deutschen Theaters, nämlich dem Barockdrama, gewidmet, doch sein Autor, obwohl er tatsächlich die Physiognomie des "deutschen Trauerspiels" präsentiert, wobei er den Wert des häufig Missgestalteten und Misslungenen hervorhebt, überschreitet mutig die Grenzen der einzelnen Disziplinen, indem er Fragen aus dem Bereich der Ästhetik des Theaters überhaupt, aus dem der Philosophie der Sprache, der Politik, der Geschichte oder der Theologie untersucht. Die dichten Ausführungen des Verfassers, in denen eine minutiöse philologische Analyse mit einer raffinierten philosophischen Reflexion gepaart ist, umreißen eine Fülle von spektakulären Konzepten, wie die allgemeine Methodologie der philosophischen Geschichtsbetrachtung, wie eine originelle Konzeption der antiken Tragödie, wie die Theorie der Melancholie oder eine Apologie der Allegorie als Zeichen für die katastrophale Natur der Geschichte. Dieses Buch nahm und nimmt immer noch einen gewaltigen Einfluss auf verschiedene Bereiche und Strömungen des zeitgenössischen Denkens, indem es eine schier unerschöpfliche Quelle fruchtbarer Ideen darstellt.


Foto: Joel Heinzelmann

Walter Benjamin war Philosoph, Literatur- und Kulturkritiker sowie Übersetzer. Geboren 1892 in einer assimilierten jüdischen Familie, studierte er Philosophie und Germanistik. Nach dem misslungenen Versuch, sich 1925 aufgrund der Abhandlung über das deutsche Trauerspiel zu habilitieren, war er freiberuflich tätig, indem er seine Texte in verschiedenen Zeitschriften der Weimarer Republik publizierte. 1933 verließ er Deutschland und zog nach Paris. In den dreißiger Jahren war er mit dem von Max Horkheimer geleiteten Institut für Sozialforschung verbunden. Ein Freund Gershom Scholems, Theodor W. Adornos und Bertolt Brechts. In seinem Schaffen vereinigten sich Motive der deutschen Romantik, der messianischen Theologie und des historischen Materialismus, wobei er sich auf die Philosophie der Sprache und Geschichte, auf die ältere und neuere deutsche Literatur (den Barock, Goethe, die Romantiker, Kafka, Brecht), auf die französische Literatur (Baudelaire, Proust, Gide) sowie auf die Photographie und den Film konzentrierte. Sein Oeuvre umfasst Abhandlungen in Buchform, umfangreiche Essays, kurze Rezensionen, aphoristische Texte und auch ein nicht abgeschlossenes monumentales Buch über Paris im 19. Jahrhundert, ein Werk, das zum großen Teil eine Zitaten-Komposition darstellt. Zu seinen wichtigsten Arbeiten gehören, außer diesem, erst nach seinem Tode 1982 veröffentlichten Passagen-Werk (Pasa¿e, polnisch von Ireneusz Kania, Wydawnictwo Literackie, Kraków 2005) und dem Buch über das deutsche Trauerspiel (1928), die Abhandlung Der Begriff der Kunstkritik in der deutschen Romantik, Goethes Wahlverwandtschaften (1920, Goethego Powinowactwa z wyboru, polnisch von Anna Wo³kowicz, in: Walter Benjamin, Konstelacje, Auswahl und Bearbeitung Adam Lipszyc, Wydawnictwo Uniwersytetu Jagielloñskiego, Kraków 2012) und Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit (1936, Dzie³o sztuki w dobie reprodukcji technicznej, polnisch von Janusz Sikorski, in: Walter Benjamin, Anio³ historii, Auswahl und Bearbeitung Hubert Or³owski, Wydawnictwo Poznañskie, Poznañ 1996). In polnischer Sprache erschienen außerdem noch u.a. Die Einbahnstraße (1928, Ulica jednokierunkowa, polnisch von Andrzej Kopacki, Wydawnictwo Sic!, Warszawa 1997), Berliner Kindheit um 1900 (1938, ersch. 1950, Berliñskie dzieciñstwo na prze³omie wieków, polnisch von Bogdan Baran, Wydawnictwo Aletheia, Warszawa 2010), Über Haschisch (O haszyszu, polnisch von Ewa Drzazgowska, Wydawnictwo Aletheia, Warszawa 2010), Moskauer Tagebuch (Dziennik moskiewski, polnisch von Bogdan Baran, Wydawnictwo Aletheia, Warszawa 2012). Im Jahre 1940 nahm sich Walter Benjamin in Port Bou in Spanien bei dem Versuch, sich in die Vereinigten Staaten zu retten, das Leben.

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