Georges-Arthur Goldschmidt

Die Absonderung

In der Übersetzung von S³awa Lisiecka erschien das Buch
im Verlag s³owo / obraz terytoria, Gdañsk im Mai 2006, 94 S.
(Originalausgabe: Ammann Verlag, Zürich 1991).


Flucht und Überleben: 1938 werden ein zehnjähriger Junge und sein älterer Bruder in Hamburg in einen Zug nach Florenz gesetzt. Die Fahrt geht weiter nach Frankreich, nach Chambéry. In einem katholischen Heim in Hoch-Savoyen überlebt der Junge den Krieg. Die Eltern hat er nicht wieder gesehen. Das sind die Fakten der autobiographischen Erzählung Die Absonderung von Georges-Arthur Goldschmidt. "Er gehörte weggeschafft, das hatte er immer schon gewusst".
Seine Eltern, assimilierte Juden, schwiegen, der Junge konnte sich nicht erklären, weshalb beim Wort "Jude" Unruhe aufkam und der Pastor in der Sonntagsschule ihn immer angeschaut hatte, bis ihm das Wort angst machte. "Juden kannte er keine, das Wort aber gehörte mit Totschlag zusammen, man holte mit dem Arm aus und konnte zuschlagen: etwas Unheimliches gehörte dazu, eine Schuld, er fürchtete sich davor, als könnte man wissen, dass es seine eigene war."
Im katholischen Kinderheim ist der Heranwachsende gleichzeitig aufgehoben und ausgesetzt, er wird diszipliniert, bestraft und gleichzeitig auf sich selbst zurückgeworfen, "ein zu hoch geschossener, noch unreifer kleiner Junge. Er fühlte sein Gesicht vor Röte glühen, vielleicht wusste man, dass er an sich das grosse Wunder entdeckt hatte."


Copyright für die Fotografie von Isolde Ohlbaum
(c) Isolde Ohlbaum

Georges-Arthur Goldschmidt wurde 1928 in Reinbek bei Hamburg geboren und verlebte seine Kindheit in einer grossbürgerlich-hanseatischen Familie. Sein Vater war Protestant jüdischer Abstammung. Goldschmidt lebt in Paris. Er hat vor allem Goethe, Nietzsche, Stifter, Kafka, Benjamin und Handke ins Französische übersetzt.
Sein autobiographisch geprägtes literarisches Werk beginnt 1982 mit Der Spieltag. In Ein Garten in Deutschland (1988) erzählt er die Geschichte bis zur Abfahrt des Zuges nach Frankreich. Es folgen die Erzählungen Der unterbrochene Wald (1991) und Die Aussetzung (1996). 2001 erscheint seine Autobiographie Über die Flüsse. Als Vermittler zwischen Frankreich und Deutschland hat er eine brillante Sprachstudie Als Freud das Meer sah. Freud und die deutsche Sprache (1999) vorgelegt. In Gegenwart des abwesenden Gottes (2003) ist eine subtile Reflexion über die Religion.
Georges-Arthur Goldschmidt ist 1991 für Die Absonderung - er schrieb diese Erzählung in deutscher Sprache - mit dem Geschwister-Scholl-Preis ausgezeichnet worden. 1993 erhielt er den Bremer Literaturpreis, 1999 den Ludwig Börne-Preis und 2001 den Nelly Sachs-Preis der Stadt Dortmund.

Rezensionen:

1.

Pawe³ Huelle, Das Leben ist die Hölle, Dziennik, 9-10.9.2006

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