Claus Leggewie i Harald Welzer

Das Ende der Welt, wie wir sie kannten.
Klima, Zukunft und die Chancen der Demokratie.

Das Buch erschien in der Übersetzung von Piotr Buras
in dem Warschauer Verlag Wydawnictwo Krytyki Politycznej im Mai 2012. 223 Seiten.
(Originalausgabe: S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2009)


Der seit längerer Zeit registrierte Klimawandel, schwindende Energieressourcen, Umweltverschmutzung, Hungerkatastrophen, die schnell wachsende Weltbevölkerung, Finanzkrisen - die Autoren besprechen detailliert alle diese beunruhigenden Symptome und beurteilen in ihrem Licht die Perspektiven eines Weiterbestehens der Welt in der bisherigen Form. Ihr generelles Fazit ist im Titel des Buches formuliert. Die Autoren konstatieren und dokumentieren einen drastischen Bruch zwischen dem heute schon zugänglichen Wissen um die Gefahren für die Zukunft der Welt und der ihrer Meinung nach völlig unangemessenen Versuchen, der Katastrophe vorzubeugen. Für das Weiterbestehen unserer Zivilisation ist ihnen zufolge eine radikale Änderung der Funktionsweise der internationalen Institutionen wie auch vor allem der Gesellschaften in den entwickelten Ländern auf allen Ebenen notwendig. Dabei - und das ist die zentrale These des Buches - kann diese Änderung nicht von Ingenieuren, Unternehmern und Politikern, sondern nur von der Bürgergesellschaft herbeigeführt werden. Von dieser These ausgehend, formulieren die Autoren die Forderung nach einer grundsätzlichen Vertiefung der Demokratie, die zu einem wirksameren Engagement der Gesellschaften zugunsten der zu ergreifenden Rettungsmaßnahmen und zu einem individuellen Verantwortungsgefühl der Bürger für die Zukunft unseres Planeten führen würden. Selbstverständliche Folge aller dieser Schritte wäre auch eine radikale Veränderung des Lebensstils, und zwar nicht unbedingt zum Schlechteren, im Einklang mit dem Motto zum einführenden Kapitel des Buches, einem Lied der Gruppe R.E.M. entnommen: This is the end of the world as we know it - and I feel fine.


Foto: Georg Lukas

Claus Leggewie, geb. 1950, ist Direktor des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen, Professor für Politikwissenschaft an der Justus-Liebig-Universität Gießen, Publizist, Mitherausgeber der politisch-wissenschaftlichen Monatszeitschrift Blätter für deutsche und internationale Politik (Berlin) und der Zeitschrift Transit (Wien). Als Forscher und Publizist befasst er sich mit der kulturellen Globalisierung, der europäischen Erinnerungskultur, Demokratie und Demokratisierung in nichtwestlichen Gesellschaften, politischer und wissenschaftlicher Kommunikation in digitalen Medien und der politischen Ikonografie. 2005 publizierte er (gemeinsam mit Erik Meyer) das Buch Ein Ort, an den man gerne geht. Das Holocaust-Mahnmal und die Geschichtspolitik nach 1989, in dem er den komplizierten Weg zur Errichtung in Berlin 2005 des Holocaust-Mahnmals analysierte. Gemeinsam mit Bärbel Beinhauer-Köhler schrieb er Moscheen in Deutschland. Religiöse Heimat und gesellschaftliche Herausforderung (2009), einen Abriss der Geschichte, Bedeutung und Funktionsweise der Moscheen in Deutschland und eine Analyse der jüngsten Konflikte rund um sie. Zuletzt veröffentlichte er (gemeinsam mit Anne Lang) das Buch Der Kampf um die europäische Erinnerung (2011), in dem er die europäische Erinnerungslandschaft analysiert und Erinnerungsorte besucht, an denen sich aktuelle Geschichtskonflikte verdeutlichen lassen.


Foto: Siegrun Appelt

Harald Welzer wurde 1958 geboren. Der Sozialpsychologe ist Direktor des Center for Interdisciplinary Memory Research am kulturwissenschaftlichen Institut in Essen und Forschungsprofessor für Sozialpsychologie an der Universität Witten/Herdecke. Er ist mit wichtigen Veröffentlichungen zur Erinnerungskultur, insbesondere mit dem Buch Opa war kein Nazi. Nationalsozialismus und Holocaust im Familiengedächtnis (2002), bekannt geworden. Sein 2005 erschienenes Buch Täter. Wie aus ganz normalen Menschen Massenmörder werden (poln. Übersetzung: Magdalena Kurkowska, Wydawnictwo Naukowe Scholar, Warszawa 2010, Reihe SCHRITTE/KROKI) gehört wohl zu den wichtigsten und überzeugendsten Untersuchungen zum Verhalten jener, die in der Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland massenhaft Menschen töteten. Sein Buch Klimakriege. Wofür im 21. Jahrhundert getötet wird (2008, poln. Übersetzung: Micha³ Sutowski, Wydawnictwo Krytyki Politycznej, Warszawa 2010) beschreibt die Linien der Gewalt im 21. Jahrhundert: Konflikte um Ressourcen, Kriege gegen eigene Bevölkerungen, Wellen von Klimaflüchtlingen und Terrorismus. Welzer macht klar, dass der Klimawandel die Gesellschaften vor ganz neue Fragen von Sicherheit, Verantwortung und Gerechtigkeit stellt. Gemeinsam mit Sönke Neitzel veröffentlichte er Soldaten. Protokolle vom Kämpfen, Töten und Sterben (2011), eine Mentalitätsgeschichte der Wehrmacht aufgrund der Analyse der abgehörten Gespräche deutscher Kriegsgefangenen in britischen und amerikanischen Gefangenenlagern.

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