Andreas Maier

Kirillow

Der Roman erschien in der Übersetzung von Anna Wzi±tek im Herbst 2006 im Verlag Atut in Wroclaw, 277 S.
(Originalausgabe: Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main, 2005.


Kirillow - das ist eine Figur aus Dostojewskijs Dämonen. Kirillow, der Roman von Andreas Maier, benützt die Figur als Infekt, die Dämonen Dostojewskijs infizieren die Romanfiguren: Julian und Frank, die Protagonisten, und all die obsessiv redenden Studenten - Sinnsucher und Kneipenschwätzer - bewegen sich zwischen Alltag und hochfliegenden Plänen, zwischen falschem und wahrem Leben. Von Krillow ist nur gerüchteweise die Rede, sein Manifest, eine vieldeutige Interpretation der Wirklichkeit, verliert sich im Gerede, im Schwadronieren und in Rauschzuständen. Im "Café Ausweg", dem Treffpunkt der Studenten, sind alle hin- und hergerissen zwischen "Gar nichts machen" und der Sehnsucht nach der befreienden Tat. Alle leben in einer Welt, in der die Wahrheit immer mehr verschwindet.

Gegen Ende des Romans machen sie sich auf nach Gorleben, zur Castor-Demonstration: Der schwerbewachte Brennstäbetransport, der Atommüll, wird zum gespenstischen Anschauungsfall für Kirillows Thesen. Der Showdown geht tragisch schief. Alles scheitert. Frank findet den Tod. In einem Interview sagte Andreas Maier zu seiner Rolle als Schriftsteller: "Literatur ist für mich ein Medium, das keine Antworten geben muss, sondern Fragen offen halten darf. Mein Denken funktioniert nur dadurch, dass ich in die lebenden Personen meiner Bücher hineingehe und versuche, durch deren Mund zu sprechen." Die offenen Fragen sind es, die den Leser dieses Romans in Atem halten.


Foto: Jürgen Bauer

Andreas Maier, geboren 1967 in Bad Nauheim, ist mit seinen Romanen Wälchestag (2000) und Klausen (2002) bekannt geworden. Maier entwirft in seinen Romanen ein Gruppenbild gegensätzlicher Personen, die durcheinander und gegeneinander reden., so dass sich die Geschichten immer mehr in Vermutungen und Verdächtigungen auflösen. In Kirillow (2005) ist es eine Gruppe von Studenten und Studentinnen, die mit einigen Russlanddeutschen in Kontakt kommen, die mit anarchischer Energie ihre Weltverbesserungsideen diskutieren. Ein Kritiker nannte Kirillow "abgrundtief ernst und verzweifelt komisch, und anders kann man unsere Lage nicht nennen".

Andreas Maier studierte Germanistik und promovierte mit einer Arbeit über Thomas Bernhard. 2000 erhielt er den Ernst-Wilhelm-Preis beim Klagenfurter Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb, 2003 den Clemens-Brentano-Preis, 2004 den Candide-Preis des Literarischen Vereins Minden und für 2006 wurde ihm ein Villa Massimo-Stipendium zugesprochen.

projekt | bucher/autoren | veranstaltungen | informationen | medienecho | links | kontakt