Norbert Mappes-Niediek

Arme Roma, böse Zigeuner.
Was an den Vorurteilen über die Zuwanderer stimmt.

Das Buch erschien in der Übersetzung von Urszula Poprawska im Krakauer Verlag Wydawnictwo Uniwersytetu Jagielloñskiego im November 2014, 229 Seiten.
(Originalausgabe: Arme Roma, böse Zigeuner. Was an den Vorurteilen über die Zuwanderer stimmt, Ch. Links Verlag, Berlin 2012, 220 S.)


Haben die "Soziologen" recht, die meinen, die Roma hätten sich immer schon auf der untersten Stufe der gesellschaftlichen Leiter befunden, sie seien im alten Rumänien eine Zeitlang sogar Sklaven gewesen, sie hätten weder lesen noch schreiben lernen dürfen, dieser Status sei deshalb Quelle ihrer meistens sehr schwierigen Situation auch heute? Sei ihre Armut einfach eben durch die Armut und die Diskriminierung, und nicht durch eine spezifische Tradition und Kultur, eine eigentümliche Mentalität und besondere Verhaltensmuster verursacht, die ihre Integration in einer modernen Gesellschaft unmöglich machen? Oder muss man den "Ethnologen" zustimmen, die auf das Recht der Roma bestehen, ihre Identität zu bewahren, ihre Sitten und Bräuche zu pflegen, und sei es im Widerspruch mit den Erfordernissen des gesellschaftlichen Lebens im 21. Jahrhundert?

Der Verfasser beantwortet diese Frage nicht eindeutig, seiner Meinung nach nämlich sei das Problem der Roma viel komplizierter. Wer erfahren will, "was an den Vorurteilen über die Zuwanderer stimmt", wie der provokative Untertitel dieses faszinierenden Buches lautet, der muss nach Mappes-Niediek sehr genau die Phänomene in diesem Milieu und seine Relationen mit der Außenwelt studieren. Das Buch bietet eine ausgezeichnete Gelegenheit, sich sowohl mit der Geschichte, wie auch mit der Gegenwart der Roma auf eine Weise bekannt zu machen, die erlaubt, sich eine eigene Meinung zu bilden. Der Autor versucht nicht, seine Sichtweise als die einzig richtige durchzusetzen, sondern liefert eine Fülle an interessantem Material, das den Ausgangspunkt für eigene Überlegungen und Umwertungen bilden kann.

Die Lektüre dieses übrigens schwungvoll geschriebenen Buches hinterlässt keinen allzu optimistischen Eindruck, trotzdem berechtigen die Wege der Lösung des Problems, auf die Norbert Mappes-Niediek vorsichtig hinweist, zu einiger Hoffnung.


Foto: Lupi Spuma

Norbert Mappes-Niediek (geb. 1953), deutscher Journalist und Fachautor für Südosteuropa, lebt seit 1991 in der Steiermark und ist freier Korrespondent für Südosteuropa und Österreich. Er schreibt u. a. für die "Frankfurter Rundschau", "Berliner Zeitung", "Badische Zeitung", "Aargauer Zeitung", "Der Standard", "NRC Handelsblad", "Die Zeit", Deutschlandfunk. 1994/95 war er Berater des UNO-Sonderbeauftragten für das ehemalige Jugoslawien. Er hat mehrere Bücher veröffentlicht, u. a. Österreich für Deutsche. Einblicke in ein fremdes Land (2001), Balkan-Mafia. Staaten in der Hand des Verbrechens - eine Gefahr für Europa (2003), Let's be Frank. Die unglaubliche Geschichte des heimlichen Kaisers von Österreich (2004), Kroatien. Das Land hinter der Adria-Kulisse (2009).

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