Martin Mosebach

Der Nebelfürst

Der Roman erschien in der Übersetzung von Krzysztof Jachimczak im Warschauer Verlag "Twój Styl" im Mai 2006, 284 S.
(Originalausgabe: Eichborn Verlag, Frankfurt am Main 2001)


Der Held dieser Geschichte ist ahnungslos. Theodor Lerner, eigentlich Journalist, begegnet einer Hochstaplerin. Sie schickt ihn mit einem schrottreifen Dampfer in die Arktis, um im Namen des deutschen Kaisers eine herrenlose Insel zu annektieren. Unter dem Vorwand, einen verschollenen Arktisforscher zu suchen, fährt er los. Gut erfunden, möchte man meinen. Aber mitnichten. Unter dem Stichwort "Bäreninsel" steht in Meyers Konversationslexion: "Im Auftrag eines Hamburger Syndikats nahm 1898 der Deutsche Theodor Lerner 85 qkm in deutschen Besitz." Eine wahre Geschichte also, ein Stück höchst kurioser Kolonialgeschichte, ein aberwitziges Unterfangen, eine Farce, die zu politischem Gezänk und zu aufgeregten Depeschen zwischen Berlin und St. Petersburg führt.

Martin Mosebach entwirft ein Tableau des späten 19. Jahrhunderts, spannend und gleichzeitig versponnen, virtuos und witzig. Er verliert sich nicht in den historischen Fakten. Seine präzise Sprache und seine genaue Beobachtung lassen eine Welt entstehen, in der sich sehr viel Gegenwart spiegelt. Der "Roman ist eine Form erzählerischer Landnahme und führt vor, was Literatur eigentlich ist: eine Reise ins Blaue hinein, für den Autor ebenso wie für den Leser", meinte ein begeisterter Kritiker.


Foto: Susanne Schleyer

Martin Mosebach, geboren 1951, ist promovierter Jurist. Seit 1980 lebt er als Schriftsteller in Frankfurt a. M. Neben Prosa und Lyrik schreibt er Aufsätze über Kunst und Literatur für Zeitungen, Zeitschriften und den Rundfunk. Ausserdem veröffentlicht er Hörspiele, Dramen, Libretti (u.a. für die Salzburger Festspiele, die Oper Frankfurt und das Freiburger Barockorchester) sowie Filmdrehbücher. Mit dem Roman Der Nebelfürst ist ihm ein eigentlicher Durchbruch gelungen. Von seinen früheren Romanen seien Westend (1992), Die Türkin (1999) und Eine lange Nacht (2000) genannt. Unter vielen Auszeichnugnen seien genannt: der Heinrich-von-Kleist-Preis (2002), die Warburg Stiftungs-Professur (2004), der Preis des Frankfurter Literaturhauses (2004) und der Kranichsteiner Literaturpreis (2005).

Rezensionen:

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