Herfried Münkler

Die Deutschen und ihre Mythen

Das Buch erschien in der Übersetzung von Andrzej Kopacki im Warschauer Verlag
Wydawnictwa Sic! im November 2013. 476 Seiten.


Nirgendwo haben politische Mythen eine so zentrale Rolle gespielt wie in Deutschland. Die Nibelungen oder Kaiser Barbarossa, Faust. Friedrich der Große oder Hermann der Cherusker, der Rhein, die Wartburg und das Wirtschaftswunder - Mythen, die sich um sagenumwobene Orte, Ereignisse und Personen ranken, prägten die Nation und ihr Selbstverständnis. Wie haben sie sich gewandelt und welche Bedeutung haben sie noch heute? - Der Autor geht diesen Fragen nach und lässt dabei zugleich die Geschichte und Mentalität der Deutschen plastisch hervortreten. Herfried Münkler schreibt über die Deutschen und ihre Geschichte im Spiegel ihrer Mythen. Dabei erweckt er alte Sagen zu neuem Leben, besichtigt schicksalhafte Orte wie Weimar oder Nürnberg und lässt berühmte historische Persönlichkeiten auftreten. In seiner großen historischen Analyse zeigt Münkler, wie Mythen die nationale Identität der Deutschen geformt haben und welch motivierende und mobilisierende Kraft ihnen eignet - im Positiven wie im Negativen. Denn in der deutschen Geschichte gingen Mythos und Politik stets Hand in Hand. So dienten die Schlacht im Teutoburger Wald oder der Drachentöter Siegfried der inneren Militarisierung der Deutschen, und das "Unternehmen Barbarossa" führte sie direkt in den Untergang. Nach 1945 erblühte die Bundesrepublik im Mythos vom "Wirtschaftswunder", die DDR richtete sich am "antifaschistischen Widerstand" auf. Heute dagegen ist Deutschland ein mythenarmes Land - ist das ein Fluch oder ein Segen? Diese und andere Fragen versucht der Verfasser in seinem Buch zu beantworten, einem aufschlussreichen Werk nicht nur über die Geschichte und Mentalität der Deutschen, sondern auch über die deutsche Politik der Gegenwart.

Herfried Münkler, geb. 1951, ist Professor für Politikwissenschaft an der Berliner Humboldt-Universität und Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. Er ist mit vielen Studien zur politischen Ideengeschichte und zur Theorie des Krieges hervorgetreten. Nicht wenige davon sind mittlerweile Standardwerke, so etwa Machiavelli (1982), Gewalt und Ordnung (1993), Die neuen Kriege (2002) und Imperien (2005).

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