Christoph Ransmayr

Cox oder Der Lauf der Zeit

Der Roman erschien in der Übersetzung von Jacek St. Buras im Verlag Wydawnictwo Uniwersytetu Jagielloñskiego in Krakau im Oktober 2018. 269 Seiten.
(Originalausgabe: S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2016)


Der berühmte englische Uhrmacher Alister Cox begibt sich in Begleitung seiner drei Gefährten und Mitarbeiter nach China auf Einladung des Kaisers Qiánlóng, des mächtigsten Herrschers der Welt, eines Uhrenliebhabers und -sammlers, um für den chinesischen Monarchen Zeitmesser zu bauen, wie die Welt sie noch nicht gesehen hat. Das China des ausgehenden 18. Jahrhunderts ist in den Augen der Europäer ein Land voller ungewöhnlicher Schönheit, aber auch voller Geheimnisse und überall lauernder Bedrohungen. Der geringste Verstoß gegen die unzähligen Gebote und Verbote, die der unsichtbare Herrscher verhängt hat, kann verheerende Folgen haben. In dieser exotisch anmutenden Szenerie versucht Cox, der die Einladung des chinesischen Monarchen angenommen hat, um seiner Verzweiflung nach dem Verlust der geliebten Tochter und dem seelischen Zusammenbruch seiner Gattin Herr zu werden, den ungewöhnlichen, immer wieder neuen Aufträgen des Kaisers zu genügen. Schließlich verlangt der chinesische Monarch, Cox möge eine "ewige Uhr" konstruieren, die ohne menschliches Zutun bis ans Ende der Welt die Zeit, mithin die Ewigkeit, messen würde.

Cox oder Der Lauf der Zeit ist eine faszinierende, farbenreiche Erzählung, voller wunderschöner und zutiefst bewegender, aber manchmal auch ausgesprochen grausamer Szenen, eine Erzählung über das Bemühen, das Wesen der Zeit zu ergründen, und über die Versuche, ihre Vergänglichkeit zu überwinden. Es ist eine Erzählung über das unabwendbare und unwiederbringliche Verschwinden im Vergangenen derer, die wir lieben, und all dessen, was uns umgibt, und am Ende auch über das unausweichliche Verschwinden unserer selbst, sowie über unsere verzweifelten Versuche, diesen unerbittlichen Prozess aufzuhalten. Christoph Ransmayr schildert in diesem außergewöhnlichen Roman einmal mehr in ausnehmend attraktiver Weise und mit großer Sensibilität ein wohl grundsätzliches Problem der menschlichen Existenz: das Drama unserer unausweichlichen Endlichkeit und das Drama unseres Bewusstseins dieses Prozesses. Er knüpft damit an seinen frühen, dem römischen Dichter Ovid gewidmeten Roman Die letzte Welt an und an dessen Botschaft: Keinem bleibt seine Gestalt.


Foto: Magdalena Weyrer

Christoph Ransmayr wurde 1954 in Wels/Oberösterreich geboren. Er studierte Philosophie und Ethnologie. Seit Anfang der neunziger Jahre unternahm er zahllose Reisen in der ganzen Welt (er nennt sich selbst einen "Halbnomaden"), die er in mehreren Büchern beschrieben hat, wie Der Weg nach Surabaya (1997) oder Die Verbeugung des Riesen (2003). Seine Romane Die Schrecken des Eises und der Finsternis (1984), Die letzte Welt (1988, poln. Ostatni ¶wiat, übersetzt von Jacek St. Buras, Verlag Sic! 1998), Morbus Kitahara (1995, poln. Morbus Kitahara, übersetzt von S³awa Lisiecka, Verlag PIW 2003), Der fliegende Berg (2006, poln. Lataj±ca góra, übersetzt von Jacek St. Buras, Verlag PIW 2007) wurden in über 30 Sprachen übersetzt. Für seine Bücher erhielt er zahlreiche literarische Auszeichnungen, u. a. den Großen Literaturpreis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste (1992), den Franz-Kafka-Preis (1995), den Europäischen Literaturpreis "Prix Aristeion" (1996, für den Roman Morbus Kitahara), den Premio Letterario Internazionale Mondello (1997), den Friedrich-Hölderlin-Preis der Stadt Bad Homburg (1998), den Bert-Brecht-Preis (2004), den Heinrich-Böll-Preis (2007). Für den Atlas eines ängstlichen Mannes (2012) wurde er zwei Jahre später mit dem Theodor-Fontane-Preis und 2015 mit zwei wichtigen französischen Literaturpreisen, dem Prix Jean Monnet de Littérature Européenne und dem Prix du Meilleur livre étranger, geehrt. 2018 erhielt er - neben mehreren anderen - den renommierten Kleist-Preis.

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