Gerhard Roth

Eine Reise in das Innere von Wien

Das Buch erschien in der Übersetzung von Ma³gorzata £ukasiewicz im Verlag PIW im Herbst 2006, 212 S.
(Originalausgabe: Eine Reise in das Innere von Wien, S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 1991)


Das Hetztheater war eine Art Zirkus im 18. Jahrhundert, das man besuchte, um zuzusehen, wie geschickt aufeinander gehetzte und scharf gemachte Hunde, Wölfe, Bären, Stiere, manchmal auch Löwen, Tiger und Panther übereinander herfielen und sich blutige Kämpfe lieferten. Gelegentlich standen auch Kunstreiten oder akrobatische Einlagen auf dem Programm; Hauptattraktion waren aber die Tierkämpfe. Das größte Hetztheater Wiens entstand 1755, es unterstand der k.k. Theaterdirektion und erfreute sich großer Beliebtheit. 1796 brannte es ab und wurde nicht mehr wiederaufgebaut, weil Kaiser Franz II. Tierhetzen verbat.
Das Bild, die Attraktionen und das Inventar des k.k. Hetztheaters sind die erste von neun Stationen auf Gerhard Roths Reise in das Innere von Wien. Die Reise führt durch Orte, die im Alltag der Stadt nicht vorkommen, an die man sich nicht erinnert oder sich nicht erinnern möchte: durch das "unterirdische" Wien mit seinen Katakomben und seiner Kanalisation, den ehemals jüdischen Bezirk, die Gefängnisse, Obdachlosenasyle und psychiatrischen Anstalten.
Die Route berücksichtigt jedoch auch gut bekannte, ja geradezu repräsentative Orte wie den Stephansdom oder das Heeresgeschichtliche Museum, deren Geschichte bei genauerem Hinsehen auch manch beschämendes Geheimnis verbirgt. Die suggestiven Bilder, gepaart mit unbestechlichem Zahlenmaterial, setzen sich bei Roth zu einer einzigartigen Karte aus dem Inneren der österreichischen Hauptstadt zusammen.


Foto: Philipp Horak

Gerhard Roth, 1942 in Graz geboren, studierte Medizin, arbeitete eine Zeit lang in einem Rechenzentrum und debütierte 1972 als Schriftsteller. Er lebt in Graz und ist Mitglied der dortigen Literaturvereine Forum Stadtpark und Grazer Autorenversammlung.
Eine Reise in das Innere von Wien (1991) ist Teil, beziehungsweise nach Roths Willen gar das "Fundament" des 1980 begonnenen Roman- und Essayzyklus mit dem bezeichnenden Titel Archive des Schweigens. Fragmente von zwei weiteren Romanen dieses Zyklus wurden in der Übersetzung von Monika Muska³a in "Literatura na ¦wiecie" (Nr.1-2/1997), abgedruckt (ebenda auch ein Interview mit dem Autor); auf Polnisch erschien außerdem die Erzählung Italienischer Badeort (übers. von Ryszard Turczyn, in der Anthologie Czy¿ jest piêkniejszy kraj [Kein schöner Land], Warszawa 1980) und der Essay Das Labyrinth der Fälschungen (übers. Feliks Przybylak, in der gleichnamigen Anthologie Labirynt fa³szerstw, Warszawa 1994).
Roths neuester, 1995 in Angriff genommener Romanzyklus Orkus umfasst bisher vier Romane: Der See (1995), Der Plan (1998), Der Berg (2000) und Der Strom (2002). Gerhard Roth wurde u.a. mit dem Alfred-Döblin-Preis (1983), dem Marie-Luise-Kaschnitz-Preis (1992) und dem Bruno-Kreisky-Preis (2002) ausgezeichnet.

Rezensionen:

1.

Lektor, Das andere Wien, Wochenschrift "Tygodnik Powszechny", 20.11.2006

2.
Marcin Sendecki, Wiens dunkle Seite, Przekrój, November, Nr. 46/2006
3.
Dorota Jarecka, Das makabre Wien, "Gazeta Wyborcza", 4.12.2006
4.
Piotr Kofta, Die verschwundene Stadt der versehrten Erinnerung, Dziennik, Beilage "Kultura", 17.11.2006
5.
Wies³aw Che³miniak, Wochenzeitschrift "Wprost" (online)
6.
Malina Klu¼niak, Das andere Wien, Gazeta Wyborcza, Beilage "Turystyka", 12./13.5.2007
7.
Jacek Maziarski, Vom Sozialismus zum Nihilismus, Monatsschrift "Nowe Ksi±¿ki", 4/2007
8.
Katarzyna Chmielewska, Tomasz ¯ukowski, Sich von der Nation abnabeln, Wochenzeitschrift "Przegl±d", 12.2.2007
9.
Piotr Jakub Fereñski, Wiens Eigentümlichkeiten. Eine historisch-anthropologische Geschichte, "Konteksty", Nr. 3/4, 2008
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