Ralf Rothmann

Junges Licht

Der Roman erschien in der Übersetzung von Barbara Tarnas im Mai 2008 im Verlag Oficyna Wydawnicza "Atut" in Warschau, 183 S.
(Originalausgabe: Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main, 2004)


Erzählt wird die Leidens- und Pubertätsgeschichte eines zwölfjährigen Jungen namens Julian, Sohn einer Bergarbeiterfamilie im Ruhrgebiet. Er muss den Lehrer erdulden, der ihn schlägt, die Mutter, die ihn prügelt, die Jungs, die sein Kaninchen töten. Er erduldet den Hausbesitzer, der ihm sexuell nachstellt, die lolitahafte Untermieterin Marusha, die sein schamhaft erwachendes Triebleben provoziert und kränkt. Er muss das Blödeste erdulden, was einem Jungen in den Sommerferien widerfahren kann, nämlich ganz allein in der Wohnung sitzen.
Julians Mutter fährt mit der Schwester zu den Grosseltern. Der Vater arbeitet, schläft oder schweigt. Der Sohn richtet ihm, wenn er im Kühlschrank etwas findet, Esspaket und Trinkflasche für die Arbeit unter Tage. Julian wird Zeuge eines Ehebruchs, die Familie muss die Wohnung verlassen, aber nach diesem Auszug endet auch die Kindheit - ein neuer Lebensabschnitt beginnt.

Ralph Rothmann erzählt diesen Entwicklungsroman präzis und zurückhaltend. Er lädt die Geschichte nicht rhetorisch auf und schmückt sie nicht aus. Nie gleitet er in Sozialkitsch oder Verklärung ab. Die Welt eines Heranwachsenden wird in ihrer Komplexität anschaulich und es entsteht gleichzeitig ein authentisches Bild eines speziellen Milieus, eingebettet in die Spiessigkeit der sechziger Jahre.


Foto: Sven Paustian

Ralph Rothmann wurde 1953 geboren und wuchs im Ruhrgebiet auf. Er machte zunächst eine Lehre als Maurer. Seit 1976 lebt er in Berlin. Themen seiner teilweise autobiographischen Romane sind Lebenssituationen im kleinbürgerlichen oder proletarischen Milieu in der Bundesrepublik. Mit dem Roman Junges Licht setzt er seine Ruhrgebiet-Trilogie fort, die die Romane Stier (1991), Wäldernacht (1994) und Milch und Kohle (2000) umfasst. Seine anderen Romane sind Flieh, mein Freund (1998) und Hitze (2003). Er hat auch mehrere Erzählbände publiziert. Junges Licht wurde von der Kritik uneingeschränkt gerühmt, als "ebenso feinfühligen wie facettenreichen Gesamtentwurf, der bis in die Nebenschauplätze und -figuren hinein zwingend bleibt".

Ralph Rothman ist mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet worden, so u.a. mit dem Hermann-Lenz-Preis (2001), dem Kranichsteiner Literaturpreis (2002), dem Wilhelm Raabe Literaturpreis (2004) und dem Heinrich-Böll-Preis (2005).

Rezensionen:

1.

Marek Radziwon, Eine Kindheit in der BRD, Gazeta Wyborcza, 21.10.2008

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