Christoph Simon

Franz oder Warum Antilopen nebeneinander laufen

Das Buch erschien in der Übersetzung von Ryszard Turczyn
im Verlag Jacek Santorski & Co Agencja Wydawnicza, Warszawa, im Mai 2005, 184 S.
(Originalausgabe: bilgerverlag, Zürich 2001)


Franz oder Warum Antilopen nebeneinander laufen ist die Erzählung eines 21-jährigen ewigen Gymnasiasten, der von Zeit zu Zeit die Klasse wiederholt und sich träge durchs Leben schleppt. "Man braucht nicht viel zum Glücklichsein: ein Versteck, gutes Gras, ein Selbstgespräch und das Versprechen, dass alles bleibt, wie es ist", lautet denn auch sein Credo.
Franz wünscht sich keine Veränderungen, und am liebsten würde er sein ganzes Leben lang Gymnasiast bleiben, ja er träumt davon, dass er als "nutzloser inkompetenter Berufsgymnasiast" stirbt, weil er sich gut dabei fühlt und diesen Lebensabschnitt mit Sorglosigkeit und Spaß assoziiert. Das Erwachsensein wiederum bedeutet für ihn, dass man nützlich, produktiv und aktiv zu sein hat, und solche Pflichten lösen bei ihm Ängste und Frustrationen aus. Seiner Meinung nach wechselt niemand freiwillig in die Erwachsenenwelt, es sei denn die Person tickt nicht ganz richtig.
Im Roman scheint nicht viel zu passieren - eben der Alltag eines frustrierten Outsiders, der die Zeit mit ödem Unterricht und langweiligen außerschulischen Aktivitäten totschlägt, sich mit seinesgleichen trifft, inhaltslose Gespräche führt, mit den Eltern im Clinch liegt, mit Schul- und Familienproblemen zu kämpfen hat und in Grübeleien versinkt über das Leben und darüber, wie man es am besten auf unproduktive und unspektakuläre, aber sichere Weise verbringt.
Das Fehlen jeglicher Zukunftspläne kommt einer Negation der Zukunft gleich, die einen davon befreit, für die hypothetische Zeit "nach dem Abi", dessen Zeitpunkt so weit als möglich hinausgeschoben wird, irgendwelche Pläne zu machen. Hinter dieser scheinbaren Ereignislosigkeit verbirgt sich jedoch der übergroße, wenn auch unbewusste, Wunsch des Helden, sich aus der Apathie zu befreien, irgendein Ziel für sich zu finden, das imstande wäre, Farbe in die Monotonie seines Lebens zu bringen.

Christoph Simon, geb. 1972 in Bern, debütierte mit dem Roman Franz oder Warum Antilopen nebeneinander laufen, einem Generationsroman über die innere Zerrissenheit junger Menschen an der Schwelle zum Erwachsensein und ihre Angst, für das eigene Handeln die volle Verantwortung übernehmen zu müssen. Der Roman, der u.a. mit Salingers Der Fänger im Roggen verglichen wurde, machte Furore. Simon, der auf zahlreichen Reisen u.a. durch Israel, Jordanien, Ägypten, Polen, Südamerika, Großbritannien und die USA Lebenserfahrung sammelte, veröffentlichte darüber hinaus den Roman Luna Llena, der von menschlicher Wärme, Freundschaft und dem kleinen Glück erzählt. 2005 erschien sein "Schelmenroman" Planet Obrist.

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