Tim Staffel

Terrordrom

Übersetzt von Ryszard Turczyn.
Wydawnictwo Bellona, Warszawa 2006, 176 S.
(Originalausgabe: Ammann Verlag Zürich 1998)


Jahreswende 1999/2000: Berlin versinkt im Eis. Folge des globalen Klimawechsels. Die Stadt ist lahm gelegt und nichts geht mehr; Banden von ratlos zornigen Bürgern verbreiten in den Bezirken Terror. Ein zum Äußersten getriebener junger Mann verfasst Hassmanifeste, die er mit "V" unterzeichnet und heimlich in Treppenhäuser wirft, Briefkästen steckt und an die Medien schickt. Obwohl er die ganze Zeit anonym bleibt, gelangen seine Manifeste nach und nach in die breite Öffentlichkeit, und "V" wird zur Kultfigur, während durch seine Worte die Brutalität eskaliert.
Der Ausnahmezustand wird ausgerufen. Der gewissenlose Talkmaster Tom kommt auf die Idee, zur Eindämmung der Gewalt im Stadtzentrum einen Sperrbezirk, das dem Roman seinen Titel gebende "Terrordrom", einzurichten. Gegen ein Eintrittsgeld darf jeder im "Terrordrom", das ein Albtraum von einem Freizeitpark ist, in dem alles erlaubt ist, weil das Faustrecht gilt, vor den Augen der Fernsehzuschauer ums Überleben kämpfen - denn das Ringen auf Leben und Tod wird live übertragen.
Terrordrom ist ein ausgezeichneter und aggressiver postmoderner Roman, mit einem bunten Kaleidoskop emotional verkrüppelter Gestalten, der wie unter einem Vergrößerungsglas die Probleme der heutigen Welt zeigt, in der es keine dauerhaften Werte mehr gibt. Es ist eine infernalische Metapher für die Gesellschaft, die stets nach einem festen Rückhalt sucht, häufig aber die falschen Autoritäten auswählt, da es an den richtigen fehlt.


Foto: www.formvorrat.de

Tim Staffel (geb. 1965) studierte Theaterwissenschaft, u.a. bei dem polnischen Theaterexperten Andrzej Wirth in Gießen. Seit 1993 lebt er als freier Schriftsteller in Berlin, schreibt und inszeniert Theaterstücke und organisiert Performances mit Hip-Hop-Musikern. Er veröffentlicht u.a. in der Wochenschrift "Die Zeit". Terrordrom, sein Debütroman von 1998, sorgte wegen der originellen Form und Idee für einiges Aufsehen und wurde mit großem Erfolg auf die Bühne gebracht. 2000 kam Staffels zweiter Roman, Heimweh, heraus, und ein dritter, mit dem Titel Rauhfaser, erschien 2002.

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