Harald Welzer

Täter.
Wie aus ganz normalen Menschen Massenmörder werden

Das Buch erschien in der Übersetzung von Magdalena Kurkowska beim Verlag Wydawnictwo Naukowe Scholar in Warschau im Mai 2010, 321 S.

(Originalausgabe: S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2005)


Harald Welzers Buch Täter. Wie aus ganz normalen Menschen Massenmörder werden gehört wohl zu den wichtigsten und überzeugendsten Untersuchungen zum Verhalten jener, die in der Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland massenhaft Menschen töteten. Welzer zeigt auf, dass hinter den Massenmorden keineswegs krankhafte Sadisten standen. Massenmörder - so Welzer - sind in der Regel keine disponierten Mörder oder psychisch auffällige Menschen. Der entscheidende Wendepunkt, der zu diesem Verhalten führte, war 1933: Die Ausgrenzung der Juden nach der Machtübernahme Hitlers vollzog sich im Alltag ziemlich problemlos. Dies bedeutete zugleich die Anerkennung einer neuen Moral, die es gut und sinnvoll fand, die "jüdische Frage" zu "lösen", auch wenn dies radikaler Mittel bedurfte.

Welzer untersucht, wie "normale Männer" im Reserve-Polizeibataillon 45 zu willigen Mördern wurden. Er zeigt, wie diese Männer, die den Auftrag zum Mord an den Juden erhielten, verschiedene Stadien durchliefen: Erwartung, Initiation, Ausführung und Anpassung. Es war ein sich langsam vollziehender Prozess, der den Massenmord durch zunehmende Professionalisierung in normale "Arbeit" umwandelte. Welzer zeichnet ein kollektives Porträt der "normalen" Mörder als Männer, die in ihrer "Arbeit" grösstenteils eine unangenehme, aber durchaus notwendige historische Pflicht sahen, wegen der sie weder damals noch später ein schlechtes Gewissen empfanden. Sie mussten keine moralischen Skrupel überwinden, ihr Morden spiegelte die in den Jahren seit 1933 angenommenen Überzeugungen, die "Judenfrage" müsse "gelöst" werden.

In einem kurzen Kapitel wirft Welzer einen Blick auf die Massentötungen in Vietnam, Bosnien-Herzegowina und Rwanda. Täter. Wie aus ganz normalen Menschen Massenmörder werden zeigt auf eindrückliche Weise, wie Töten zu einem "gesellschaftlich integrierten Handeln" werden konnte.


Foto: Siegrun Appelt

Harald Welzer wurde 1958 geboren. Der Sozialpsychologe ist Direktor des Center for Interdisciplinary Memory Research am kulturwissenschaftlichen Institut in Essen und Forschungsprofessor für Sozialpsychologie an der Universität Witten/Herdecke. Er ist mit wichtigen Veröffentlichungen zur Erinnerungskultur, insbesondere mit dem Buch Opa war kein Nazi. Nationalsozialismus und Holocaust im Familiengedächtnis (2002), bekannt geworden. Sein jüngstes Buch Klimakriege. Wofür im 21. Jahrhundert getötet wird (2008) beschreibt die Linien der Gewalt im 21. Jahrhundert: Konflikte um Ressourcen, Kriege gegen eigene Bevölkerungen, Wellen von Klimaflüchtlingen und Terrorismus. Er macht klar, dass der Klimawandel die Gesellschaften vor ganz neue Fragen von Sicherheit, Verantwortung und Gerechtigkeit stellt.

Rezensionen:

1.

Jeder kann ein Mörder sein: Piotr Buras im Gespräch mit Prof. Harald Welzer "Gazeta Wyborcza", 29.-30.05.2010

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